Gefahr aus unerwarteter Richtung
Wäre der Eigentümer damit zufrieden? Diese Frage stellen wir uns bei jedem Produkt, das uns begegnet. In dieser Reihe nehmen wir die Beschichtung unterschiedlichster Produkte, Objekte und Konstruktionen unter die Lupe. Diesmal: der Zaun um die Terrasse eines Hotels in Domburg.

Aus der Ferne: makellos lackiert, aber Rost an der Unterseite
Der Zaun gehört zur Terrasse eines Hotels, das vor einigen Jahren vollständig renoviert wurde. Die Beschichtung sieht auf den ersten Blick noch makellos aus, doch es fällt sofort auf, dass unten stellenweise starke Rostbildung vorhanden ist.
Bei genauerer Betrachtung: stellenweise starke Rostbildung
Aus der Nähe ist gut zu erkennen, dass der Zaun an der Unterseite vollständig von Korrosion zerfressen wird. Wir haben zwei Defekte festgestellt.
1. Rostbildung (funktional)
Beobachtung: An der Unterseite des Zauns, an den Kontaktflächen, findet starke Rostbildung statt. Auffällig ist, dass der Rost nur am unteren Teil vorhanden ist und nicht an dem Teil, der darauf montiert ist.
Folge: Die Rostbildung ist nach dieser kurzen Nutzungsdauer bereits so schwerwiegend, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die funktionale Festigkeit der Konstruktion in Kürze gefährdet ist.


2. Rostbildung (ästhetisch)
Beobachtung: Durch die Rostbildung ist das Erscheinungsbild des Zauns in inakzeptablem Maße beeinträchtigt. Zudem tropft das Rostwasser auf die darunterliegende Terrasse und verursacht dort Flecken, die sich nur sehr schwer entfernen lassen.
Folge: Der Zaun muss ersetzt oder vollständig entlackt und neu beschichtet werden.
Warum rostet dieser Zaun genau an dieser Stelle?
Vieles deutet darauf hin, dass die Rohre des Unterholms anders (dünner) beschichtet, stellenweise ausgebessert und/oder nicht verzinkt wurden. Wahrscheinlich ist dieser Teil auch regelmäßig Ziel treuer Domburger Vierbeiner beim Pinkeln. Urin zieht durch Kapillarwirkung in den Spalt zwischen Fußplatte und Rohr und bleibt dort lange Zeit vorhanden, wo er seine korrosive Wirkung entfaltet. Schließlich beschleunigt auch die Verwendung von Edelstahlschrauben die Korrosionsbildung.

Wer bezahlt das dann?
Ein solches Maß an Rostbildung dürfte nach einer so kurzen Nutzungsdauer nicht auftreten. Wir sind der Meinung, dass der Hoteleigentümer den Lieferanten darauf ansprechen und eine Instandsetzung verlangen darf.
Solche Diskussionen beginnen oft erst nach Jahren, sobald Beschichtungsdefekte sichtbar werden. Und meist ohne klare Vereinbarungen im Vorfeld.
Wie hätte sich das verhindern lassen?
Für ein kleines Projekt wie dieses wären eine umfangreiche Festlegung und Prüfung vielleicht des Guten zu viel. Doch sobald die Stückzahlen und damit das Schadensrisiko steigen, ist es wichtig, beim Kauf solcher Konstruktionen die folgenden Schritte zu durchlaufen.
- Festlegen. Legen Sie in einer Lackspezifikation fest, was die Beschichtung leisten muss: Umgebung, erwartete Lebensdauer, Haftung und Korrosionsschutz.
- Testen. Bestimmen Sie, welchen Einflüssen das Produkt ausgesetzt ist (in diesem Fall Meeresklima, mit dem Risiko einer Belastung durch Urin), und legen Sie auf dieser Grundlage fest, welche Tests nötig sind, um die Qualität zu beurteilen.
- Kontrollieren. Testen Sie vorab am echten Bauteil und auf dem echten Substrat. In diesem Fall hätte ein Korrosionstest nach ISO 9227 diesen Defekt frühzeitig sichtbar gemacht.
So vermeiden Sie Diskussionen über Qualität und Kosten im Nachhinein.
Die Kunst des Spezifizierens
Was steht in Ihrer Einkaufsspezifikation über die Beschichtung? Beschichtungen bestimmen zu einem großen Teil die Lebensdauer eines Produkts. Ist das Ihrem Lieferanten genauso klar wie Ihnen?
Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Erwartungen zu klären, sie professionell festzulegen und zu prüfen, ob sie erfüllt werden.
Beschichtung unter der Lupe
Eine eigene Inspektion von M2LAB.